"Gerwin trifft "-Interview
von 2004
"Der Star der deutschen Soul-Liga"
Das Interview wurde von Hanno Gerwin im Rahmen der Sendereihe "GERWIN TRIFFT - Was Deutschlands Promis glauben" (www.gerwin.de) geführt.
Für die freundliche
Genehmigung zur Veröffentlichung bedanken wir uns
bei Frau Muslija-Kasper vom ERB.
Frage:
Laith deine Texte sind sehr gefühlvoll, sehr poetisch und erzählen viel von Menschen und deren Befindlichkeiten. Wie kommst du zu solchen Texten?
Laith:
Ich muss gleich dazu sagen, sie sind nicht alle auf meinem Mist gewachsen. Ich arbeite mit einem Triumvirat zusammen, „Schallbau“ nennen sie sich. Mit einem von den Jungs schreibe ich die meisten Texte. Er schreibt viel, ich schreibe relativ viel, und wenn ich mit meinen Texten nicht zufrieden bin, so fusionieren wir. Was auf der Platte zu hören ist sind Geschichten, die ich entweder selbst erlebt oder erzählt bekommen habe. Das ist der funktionierende Weg. Sonst wäre es kein Song, hinter dem ich stehen würde. Das ist auch das Thema, was mich am meisten interessiert.
Frage:
Bist Du ein guter Beobachter?
Laith:
Ich geb' mir Mühe. Es ist nicht immer ganz einfach. Wenn man ein bisschen übt, dann funktioniert es.
Frage:
Was möchtest Du an Botschaften vermitteln? Was sollen deine Hörer von deiner Musik und auch von deinen Texten haben?
Laith:
Am Besten das, was sie genau in dem Moment hören möchten, wenn sie es hören. Ich versuche den erhobenen Zeigefinger zu vermeiden. Der Oberbegriff wäre so auf den Punkt zu bringen: „All you need is love“. Mein Begehren ist das Zwischenmenschliche zu pflegen.
Frage:
Welche Rolle spielen andere Menschen für dich?
Laith:
Mit die größte. Letztendlich bestimmen alle Dinge, die um mich herum passieren meine Stimmung. Meine Partnerin zum Beispiel. Die Alltäglichkeiten, mit denen ich mich auseinandersetze, machen die Höhen und Tiefen aus, darum ist es mir sehr, sehr wichtig.
Frage:
Wodurch zeichnet sich für dich ein guter Freund aus?
Laith:
Z. B. wenn ich nach vier Wochen anrufe, mich aber vier Wochen nicht gemeldet habe, und trotzdem nicht angemeckert werde.
Frage:
Welche Rolle spielt die Familie?
Laith:
Die ist insofern sehr wichtig, weil sie die letzten Jahre meines Musikerdaseins in den schlechte Phasen mitgelitten hat. Es wurde auch des öfteren gezweifelt, da der Vater wollte, dass der Bub was Anständiges macht.
Frage:
Was ist denn „was Anständiges“?
Laith:
Mein Vater hätte es gerne gesehen, wenn ich Maschinenbau studiert hätte. Aber Mathe war noch nie wirklich meins... Dad, sorry! Und deshalb war es schwer meine Eltern zu überzeugen, dass ich es wirklich durchziehen werde. Jetzt kam das große Aufatmen, da es mit dem Plattenvertrag geklappt hat, mit allem drum und dran. Das ist ein schönes Gefühl.
Frage:
Was haben dir deine Eltern Positives mitgegeben? Was hast du ihnen zu verdanken?
Laith:
Ich bin in der Lage relativ viel zu geben. Und ich habe eine ordentliche Portion Geduld von meinem Vater abbekommen. Es sind zwei Eigenschaften, auf die ich stolz bin, denn Geduld und ein bisschen Diplomatie öffnen einem doch hin und wieder nette Wege.
Frage:
Du stammst aus einer irakisch-deutschen Familie. Dein Vater ist Iraker und kommt aus einer ganz anderen Kultur. Welche Rolle spielt das für dich?
Laith:
Keine wirklich große Rolle, da ich nicht im Irak groß geworden bin. Ich bin gebürtiger Karlsruher und wohne seit über zwanzig Jahren in Mannheim. Mit der Sprache habe ich nicht viel am Hut, weil ich deutsch-englisch aufgewachsen bin. Mein Vater ist kein extrem gläubiger Moslem, was ich begrüße. Das ist sehr progressiv und darum habe ich keinen rechten Bezug dazu.
Frage:
Würden dich deine Wurzeln interessieren?
Laith:
Ja. Es ist ein kleines Stück Lebensaufgabe, wenn man die Chance hat zu erfahren, wo komme ich her. Es braucht wohl noch fünf bis zehn Jahre, bis ich mich richtig damit beschäftigen kann.
Frage:
Bist du Moslem? Welche Rolle spielt die Religion für dich?
Laith:
Ich bin konfessionslos, trotzdem habe ich im Abitur mein drittes Prüfungsfach mit Religion belegt. Das war ganz nett. Ich glaube, bin aber kein Kirchgänger. Mein Glaube hat mich schon durch einige Situationen gebracht. An etwas zu glauben, was mir Kraft gibt, das tue ich nach wie vor, tue es ganz gerne und werde es auch nie lassen.
Frage:
Was hast du von deiner Mutter mitbekommen?
Laith:
Meine Mutter kommt aus einer relativ streng katholischen Familie, Von ihrer Seite gab es wohl kleinere Trotzreaktionen. Sie hat mir diesbezüglich sehr viel Freiheiten eingeräumt. Früher in der Schule war es nie ein Problem, wenn ich nicht in die Religionsstunde gegangen bin, sondern in den Ethikunterricht, den ich leider etwas langweilig fand. Meine Eltern haben es mir freigestellt, ich bin ja nicht getauft. Damit habe ich überhaupt kein Problem. Die Tatsache, dass man sich was Überirdisches schafft, in welcher Form auch immer, empfinde ich als sehr angenehm. Die Bibel zu lesen kann was sehr Spannendes sein, obwohl ich wirklich, garantiert nicht bibelfest bin. Sich ein Glaubensbild zu schaffen, was einen weiter bringt, finde ich sehr gut.
Frage:
Wie stellst Du dir Gott vor?
Laith:
Gar nicht. Es ist so schwierig, weil man sich in einer Denkspirale aufhängt. Es könnte alles möglich sein von Frau, Mann über irgendwelche gasförmigen Zustände. Für mich ist es eher ein normales Gespräch. Ich muss nicht gen Himmel gucken, sondern es ist ein Gespräch, was ich führe, ein Selbstgespräch.
Frage:
Das könnte man auch Gebet nennen, in einer eigenen Form vielleicht, nicht wahr?
Laith:
Natürlich könnte man es Gebet nennen. Ich kenne Leute, die ein Gebet als etwas sehr Strenges definieren, mit gefalteten Händen. Dieser Ritus ist nicht meins. Bei mir passiert es auf einer sehr lockeren Basis, glaube ich zumindest. Und es ist aber auf jeden Fall meine Art des Betens.
Frage:
Sind deine Lieder, die teilweise auch vom Himmel erzählen, Anklänge zu deiner Grundhaltung?
Laith:
Nein, der Himmel bedeutet in meinen Songs eher Freiheit. Der Himmel steht für das Fliegenkönnen. Er ist ein großes Bild für Freiheit und da bediene ich mich in der Form.
Frage:
Glaubst du an ein Leben nach dem Tod?
Laith:
Das ist eine sehr gute Frage, eine Frage meiner Laune und meiner Verfassung. Ich habe mir noch keine großen Gedanken darüber gemacht, denn es ist sehr schwierig, es sich vorzustellen, wie es sich darstellt oder anfühlt. Ich warte es einfach ab.
Frage:
Wovor hast Du Angst?
Laith:
Vielleicht davor, es nicht zu schaffen, mit einer relativ großen Gelassenheit an Dinge ranzugehen. Seit knapp zehn Jahren mache ich Musik und die letzten zwei waren eine ganz andere Liga als alles vorher. Die Gelassenheit wird einem so Stück für Stück genommen, ob man möchte oder nicht. Man versucht, sich nicht zu verändern, versucht auch seinen Freundeskreis nicht zu verändern. Diese sind mir sehr wichtig. Ich möchte keinen missen. Dass mir diese Gelassenheit abhanden geht und auch der Spaß an der ganzen Sache, der Glaube an mich selber, das befürchte ich ab und zu. Noch bin ich erfüllt von dieser Gelassenheit.
Frage:
Inwiefern verändert Erfolg?
Laith:
Ich habe das Glück, dass mein Name eigentlich noch nicht wirklich bekannt ist, sondern eher das Lied „Bilder von dir“. Ich bin immer noch der „Bilder-von-dir-Mann“, und auch zu Hause auf der Straße in Mannheim werde ich nicht oft erkannt. Aber die seltsamen neuen Freunde z. B., also Leute, die dich auf einmal anrufen, obwohl sie dich schon lange nicht mehr angerufen haben und sagen, „lass’ uns doch mal wieder was machen“. Es rufen Leute an, die du noch nie in deinem Leben gesprochen hast und die auf gut Freund machen. Das gehört zum Business. Darauf stehe ich nicht
Frage:
Was verzeihst du schwer oder gar nicht?
Laith:
Das ist schwer zu sagen. Es kommt darauf an, wer es ist und auf welche Art und Weise es passiert. Wenn man hintenrum in bestimmter Art und Weiseüber mich spricht und ich kriege das mit, dann reißt es mich nicht unbedingt vom Hocker. Es gibt jedoch keine direkte Situation, die mich richtig sauer macht.
Frage:
Wenn Du einen einzigen Wunsch frei hättest, was würdest du dir wünschen?
Laith:
Eis bis ans Lebensende! Nein. Ich wünsche mir seit vielen Jahren, in der Lage zu sein, Musik zu machen. Es macht mir wirklich Spaß, damit mein Leben zu bestreiten. Das funktioniert und ich möchte nicht, dass es aufhört.
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