Interview von der Promo-CD zum Livealbum vom August 2004

"Gut und gelungen liegen eng beieinander"

Das Interview wurde von Kiki Kesselring geführt.
Für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung bedanken wir uns bei Kiki .

Frage:
Welches ist für dich der wichtigste Moment während eines Konzerts?

Laith:
Ich glaube einen ‚wichtigen Moment’ gibt es nicht. Vor dem Konzert gibt es ein kleines Ritual. So, zirka eine halbe Stunde vor Konzertbeginn wird komplett mit der ganzen Crew ein ,Warm-up-Jägermeister’ getrunken, damit sich noch einmal alle vor dem Konzert sehen. Ein wichtiger, aufregender Moment ist der Aufgang auf die Bühne. Die ersten dreißig, vierzig Sekunden auf der Bühne sind jedes Mal ein bisschen anders. Dort zeigt sich manchmal schon wie das Konzert verlaufen wird.

Frage:
Was macht für dich als Künstler ein gelungenes bzw. gutes Konzert aus?

Laith:
Gut und gelungen liegen eng beieinander. Ich glaube, wenn der Funke von der Band zum Publikum relativ schnell überspringt und der Spaßfaktor auf beiden Seiten erhalten bleibt, kann man von einem guten und gelungenem Konzert sprechen.

Frage:
Gibt es Anekdoten von der vergangenen Tour, die berichtenswert wären?

Laith:
Musikalisch war die Tour sehr gut, definitiv die schönste, die ich bisher gespielt habe. Es gibt eigentlich nur eine kleine Anekdote. Auf dem Weg von Stuttgart nach Bielefeld – in einem großen VW-Transporter mit wenig gefahrenen Kilometern, praktisch ein Neuwagen – versagten unsere Bremsen. Nur durch die schnelle Reaktion von unserem Keyboader Tobi, der während des Bremsens schon mit dem Kopf ans Dach stieß – ich danke noch mal im Namen der Band – sind wir alle noch hier.

Frage:
Gibt es zum Entstehungsprozess des Albums etwas zu sagen?

Laith:
Ich glaube, dass wir bei ‚für alle’ im Vergleich zu den vorigen Studio-Alben versucht haben, die Songs mehr auf den Punkt zu bringen. Getreu dem Motto: ‚man müsste den Song einfach mit Gitarre spielen können’. Daraus haben sich definitiv bestimmte Songs ergeben, die deswegen live auch besser zu präsentieren sind.

Frage:
Ist ein Live-Album für dich die Rekonstruktion der Studioaufnahmen unter Live-Bedingungen, oder ist es eher anders herum?

Laith:
Ich glaube, dass ein Live-Konzert von der Herangehensweise immer ein bisschen anders anlegt ist. Teilweise war es nicht leicht die Stücke zu reproduzieren, weil doch relativ viele Studioelemente benutzt worden sind. Aber durch die Art der Herangehensweise der Band an die Songs und die live-Umsetzung, konnten wir Songs einfach auseinander nehmen, teilweise Sachen einfach weglassen oder ersetzen und es hat trotzdem nichts gefehlt. Von daher versuchen wir natürlich schon, die Platte live irgendwie zu erweitern.“

Frage:
Warum wurden gerade die Auftritte aus Dortmund und Köln verwendet?

Laith:
Einen speziellen Grund gab es nicht. Wir haben insgesamt drei Aufnahmen auf der Tour gemacht: In Dortmund, in Köln und in Offenbach – unser größtes Konzert. Beim ersten Konzert in Dortmund kam uns die Nervosität in die Quere und deshalb sind die Aufnahmen nicht ganz so gut geworden, wie wir uns das vorgestellt haben. Ziel der ganzen Geschichte war auch, EIN einziges Konzert zu nutzen und nicht alles zusammen zu schneiden. Deshalb haben wir uns letztendlich für Köln entschieden.

Frage:
Verbindest du gerade mit diesen Konzerten besondere Erinnerungen?

Laith:
Ich denke, die Tatsache, dass man sein erstes Live-Album aufnimmt - in einem Club in einer Stadt, in der man in dieser Größe noch nie zuvor ein Konzert gespielt hat - ist schon erwähnenswert. Für mich war das ein großes Ereignis, auf das ich dreizehn Jahre gewartet habe. Zwei liebe Freunde - Jens Streifling am Saxophon - und Sebastian Studnitzky an der Trompete – sind zur musikalischen Unterstützung in Köln dabei gewesen.

Frage:
Hast du eine Lieblings-Location? Wenn ja, warum gerade diese?

Laith:
Nach wie vor, als alter Regional-Patriot, bleibt das Capitol in Mannheim eine meiner Lieblingslocations, obwohl der Sound eigentlich gar nicht so besonders gut ist. Es ist nicht besonders groß, eher alt und staubig, aber ich bin dort musikalisch gesehen groß geworden.

Frage:
Gibt es Städte, die für dich automatisch ein „Heimspiel“ sind und andere, die du jedes Mal aufs Neue erobern musst?

Laith:
Was wir auf den Konzerten festgestellt haben ist, dass es das klassische Nord-Süd-Gefälle, was Stimmung, Extrovertiertheit oder Begeisterungsfähigkeit der Leute angeht, nicht unbedingt gibt. Wir haben in Hamburg ein exzessiveres Publikum vorgefunden als z.B. in München; wobei die Münchner nicht weniger gut feiern können. Es lag vielleicht auch daran, dass wir direkt auf dem Kiez in der Großen Freiheit gespielt haben. Aber wenn musikalisch alles rund läuft, ist das Feedback in allen Städten sehr gut, da gibt es wenig Unterschiede, abgesehen von der Zuschaueranzahl und der Atmosphäre drumherum.

Frage:
Was war das größte Konzert, das du je gespielt hast?

Laith:
Unter eigenem Namen war es auf der Hallentournee 2004 in Offenbach, zu dem knappe dreieinhalbtausend Leute kamen; ein wirklich berauschender Anblick. 2001 hatte ich ja die Chance, in der Arena AufSchalke vor 72.000 Leuten zu stehen.

Frage:
Was war das schönste Konzert, das du je gespielt hast?

Laith:
Die Frage nach dem schönsten Konzert ist schwierig zu beantworten. Ich glaube, es gibt genug Augenblicke während eines Konzertes, die es einzigartig machen. Es ist aber von Konzert zu Konzert unterschiedlich. Von daher gibt es nicht wirklich ein ‚schönstes Konzert’. Was unvergesslich bleibt ist meine erste Goldene Platte, die ich auf einem Konzert im Capitol in Mannheim verliehen bekommen habe. Ob das aber das schönste Konzert war, kann ich nicht sagen.

Frage:
Wie wichtig ist dein Team, das dich auf Tour begleitet?

Laith:
Ich würde sagen, das Team ist die Seele der ganzen Tour. Ich habe einerseits eine Band, bestehend aus vier Musikern, die jetzt schon eine ganze Weile aufeinander sitzen und andererseits die Crew, die sich auch schon sehr lange kennt. Ich würde sagen, wir sind inzwischen sehr gut eingespielt und es gibt genug Stellen, an denen entweder musikalisch improvisiert wird und / oder man sich blind aufeinander verlassen kann. Wir hatten eine wirklich kleine Crew dabei, die auch noch jede Menge Spaß bei Ihrer Arbeit entwickeln konnte. Eine solche Stimmung, die durch keine anderen Maßnahmen zu erhalten ist, möchte ich nicht missen. Es ist wie eine kleine Familie, in der jeder jeden kennt und immer hilft, was heutzutage leider immer seltener anzutreffen ist.

Frage:
Wie empfindest du die Verantwortung, als Teil einer Band trotzdem derjenige zu sein, der ständig im Mittelpunkt des Interesses steht?

Laith:
Da ich in meiner Vergangenheit ja immer mit Bands gespielt habe, ist es natürlich manchmal von Vorteil ein bisschen Erfahrung mitzubringen. Ich versuche die musikalische Arbeit auch auf die Musiker zu übertragen, so dass jeder seine Ideen mit einbringen kann. Solch kleine Aktionen schweißen zusammen und das ist sehr wichtig, um gemeinsam Erfolg zu haben. Aber irgendwie bin ich ja der Papa der Band. Das bringt schon eine Menge Verantwortung mit sich, die aber auch eine Eigenmotivation entwickelt und bisher hat’s ganz gut funktioniert.

Frage:
Wie sieht bei Tourneen der Kontakt mit deinen Fans konkret aus?

Laith:
Fankontakt auf Tourneen… kommt immer darauf an. Was wir des Öfteren machen sind klassische ‚Meet & Greets’, was von sehr lustig bis ganz furchtbar sein kann, wenn z.B. zwanzig Leute vor einem sitzen und NICHTS sagen; alles schon da gewesen. Sonst habe ich den Fankontakt nach dem einen oder anderen doch sehr eindrucksvollen Konzert. Dann gehe ich raus zu den Leuten die noch da sind.

Frage:
Was ist das erfreulichste am Touralltag?

Laith:
Das erfreulichste am Touralltag ist, glaube ich, die Tatsache, dass man abtaucht in eine neue Welt, die ein bis zwei Monate überdauert und dann einfach wieder aufhört. Der Zusammenhalt untereinander ist sehr wichtig, weil dieser jeden Abend die Kraft gibt die neue Herausforderung auf der Bühne zu meistern, denn man weiß, dass man jetzt gerade am Brennpunkt seines Berufes oder seiner Berufung ist.

Frage:
Was zermürbt dich dabei am meisten?

Laith:
Die Tatsache, dass man zwischen den Konzerten in einen Zustand zwischen Freizeit und Pflicht kommt, sprich Interviews, teilweise irgendwelche Telefongeschichten und eben diese Fahrerei. Das kann echt zermürbend sein, aber es gehört dazu - und letztendlich hab ich mir das selbst eingebrockt.

Frage:
Was machst du als erstes, wenn du von einer Tour zurück kommst?

Laith:
Das ist sehr unterschiedlich. Die letzten zwei Touren endeten komischerweise immer in Hamburg. Hamburg bedeutet ,leider Gottes’ immer große, lange und ausgedehnte Partys nach dem Konzert, d.h. an dem Tag, an dem wir alle nach Hause kommen, sind wir sehr lädiert. Ich gönne mir danach einen oder zwei Tage Ruhephase. Was mir aber nach vier Wochen fehlt, ist mein Freundeskreis, mit dem ich nach der Rückkehr wieder abends losziehe.

Frage:
Was bedeutet es für dich, ein „Nummer Eins Album“ veröffentlicht zu haben?

Laith:
Es ist etwas besonderes auf Platz 1 zu stehen. Das hatte ich mir schon sehr lange gewünscht. Es ist eine echte Bestätigung für eine Fangemeinde, die man sich erspielt, erreicht hat. Darauf bin ich wirklich stolz.

Frage:
Was war der schönste Moment in deiner bisherigen Karriere?

Laith:
Ich glaube, der schönste Moment bleibt meine erste Goldene Schallplatte während meinem Konzert im Mannheimer Capitol 2003. Meine Eltern und mein ganzer Freundeskreis waren auch dabei. Ich war, glaube ich, zum ersten Mal auf einem Konzert fast zu Tränen gerührt. Allein die Tatsache, dass zwölf Jahre musikalische Vergangenheit zusammen gekommen sind und endlich ein Ergebnis dabei zu sehen war, vor so vielen Leuten, vor denen ich mich auch gerne bewiesen habe. Das war unvergesslich.

Frage:
Welche Ziele hast du noch für deine Karriere?

Laith:
Ziele? Natürlich ist der Fortbestand ein Ziel, denn es ist einfacher gesagt als getan. 2005 wird es ein neues Studioalbum geben. Sonst möchte ich natürlich auch im Namen der deutschsprachigen Musik weiter Gas geben, da gibt’s ja auch noch die eine oder andere Aktion, die in den kommenden Monaten passieren wird. Außerdem hoffe ich, dass das Musikbusiness wieder zu dem zurückkehrt, was es mal war - dass sich die ganze Musiklandschaft wieder ein bisschen regeneriert von dem, was die letzten drei Jahre passiert ist. Und da mitzumischen, ist ein Haufen Arbeit, aber dem stelle ich mich sehr gerne.


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