NDR2-Interview vom 10. August 2005
"Bald mal so ein Familien-Ding auf die Reihe kriegen"
Das Interview wurde von Pamela Welz geführt vom NDR2.
Für die freundliche
Genehmigung zur Veröffentlichung bedanken wir uns
bei Jochen Moseberg .
Frage:
Frage: Am 31. August gibst du ein Exklusiv-Live-Konzert bei NDR 2 und du hast ein Live-Album rausgebracht. Kannst du das Besondere bei deinen Konzerten beschreiben?
Laith:
Das lässt sich nicht pauschal erklären. Jedes ist anders - je nach Region, in der man spielt, je nach Größe, die man bespielt usw. Diese Unplugged-Geschichten zum Beispiel sind eine sehr intime Form. Es sind meist nur wenige Leute anwesend, wodurch man sich sehr nah ist und man lässt es auch gerne mit leiseren Tönen angehen. Es ähnelt halt mehr einer Hörsaal-Atmosphäre als einer klassischen Live-Konzert Atmosphäre. Jede dieser Situationen hat etwas für sich, sie sind aber auch komplett unterschiedlich.
Frage:
Es ist wahrscheinlich schwierig zu beantworten - aber kannst du sagen, was dich live auszeichnet?
Laith:
Ich glaube, letztlich die Erfahrungen. Seit 15 Jahren mache ich Musik, hauptsächlich Live-Musik, und was mir und der Band am wichtigsten dabei ist, ist der Spaß. Wenn kein Spaß da ist, dann kann auch der Funke zum Publikum nicht überspringen. Außerdem ist die Gefahr groß, dass du selbst den Spaß an der Sache verlierst. Guckst du jemandem zu, der Spaß hat, dann steckt das an. Und das hat in 98% der Fälle eigentlich auch immer geklappt.
Frage:
Du bringst demnächst ein neues Album auf den Markt. Wolltest du damit in eine bestimmte Richtung?
Laith:
Eigentlich nicht. In den letzten fünf Jahren habe ich so gut wie ohne Pause gearbeitet, und so sind in dieses Album die Erfahrungen der letzten zwei, drei Jahre eingeflossen. Es ist wahnsinnig viel passiert und vieles davon habe ich nur unbewusst wahrgenommen. Kam es dann aber doch mal zu Ruhephasen, so hatte ich immer etwas Zeit zum Reflektieren, um zu gucken "Hey, was ist da alles passiert?". Da sind viele Dinge zusammengekommen, wobei ich auch das weltpolitische Geschehen nicht außer Acht gelassen habe. Letztlich kann man also sagen, dass es sich bei dem Album um einen zeitlichen Lebensabschnitt handelt, der verarbeitet und aufgezeichnet wurde.
Frage:
Inhaltliche Schwerpunkte gibt es aber schon...
Laith:
Die gibt es. Thema und Motto bleiben nach wie vor Nächstenliebe, Liebe und Zwischenmenschlichkeit. 70% meines Lebens machen diese Themen aus. Dabei handelt es sich nicht ausschließlich um Liebe, besonders Zwischenmenschlichkeit ist ja allgegenwärtig. Zum Beispiel ist in der Produktionsphase der Vater einer meiner Produzenten gestorben, das ist direkt in eine Nummer eingeflossen. Dann ist da eine Nummer von meinem Bassisten drauf, bei der es sich um eine persönliche Geschichte handelt, die aber auch einfach aus ihm raus musste und letztendlich aufs Album, da sie auch jedem von uns direkt in die Seele geschossen ist. Und so staffelt sich das dann. Auch ich bin immer noch nicht am Ziel angekommen, sondern noch auf der Suche und rastlos.
Frage:
Gibt es einen Titel, der dir besonders am Herzen liegt?
Laith:
Schwer zu sagen. Der Titel "Ruhe", beinhaltet auf jeden Fall eine Geschichte, die mir aufgefallen ist - diese Form von Rastlosigkeit, die schon nervig ist. Besonders, da ich jetzt 33 geworden bin, könnte ich schon mal ein bisschen cooler werden... Das ist auch der erste Track auf dem Album, der schon sehr bezeichnend für meinen Lebensstil ist. In der Gesamtbetrachtung fällt einem aber auch auf, dass viel mehr autobiographische Geschichten verpackt wurden. Insofern habe ich zu allen Titeln einen sehr, sehr starken Bezug.
Frage:
Du hast das Album "Die Frage Wie?" genannt. Das klingt irgendwie politisch angehaucht. Hat es damit was zu tun?
Laith:
Das ist, denke ich, komplett Auslegungssache - was auch das Schöne daran ist. Die eigene Sicht der Dinge ist sehr wichtig, musste ich in den letzten drei Jahren feststellen. Ein schönes Beispiel zu diesem Thema ist auch immer wieder das halbvolle oder halbleere Glas. Man muss für sich einfach die Sicht der Dinge herausfiltern, die einen positiv durchs Leben führen.
Frage:
Du hast schon angedeutet, dass du innerlich noch auf der Suche bist. Wenn man dich auf Fotos sieht, dann wirkst du oft sehr ruhig, skeptisch oder nachdenklich. Gibt es Momente oder Dinge in deinem Leben, die dich richtig zum Ausrasten bringen?
Laith:
Da braucht es schon viel, um mich ausrasten zu lassen. Aber Fotos sind schließlich immer so eine Sache. Einige sind mehr, andere weniger fotogen bzw. haben mehr oder weniger Spaß am Shooting. Mir sind Fotos eigentlich egal, wodurch wahrscheinlich schnell dieser negative Eindruck beim Betrachten entstehen kann. Aber gerade zu dieser Platte passt doch auch eine melancholische Stimmung. Ich bin kein Mensch der sich verstellen will. Ich möchte authentisch rüberkommen. Und man kann von mir auch nicht gerade behaupten, dass ich der reinste Pausenclown bin. Ich variiere ganz gerne in meiner Stimmung. Von allem mal etwas.
Frage:
Bist du den eher der romantische oder der melancholische Typ?
Laith:
Das ist eine Frage der Definition von Romantik. Ich sehe Romantik als eine der schönsten Lebensarbeiten, die es so gibt. Was aber auch heißen soll, dass Romantik sehr anstrengend sein kann. Ich gebe mir immer Mühe romantisch zu sein, aber es fällt mir auch schwer.
Frage:
Was sagt denn deine Partnerin dazu?
Laith:
Derzeit nichts. Aber ich bin bestimmt der Typ, den man ab und zu mal daran erinnern muss, dass er auch romantisch sein kann.
Frage:
In deiner aktuellen Biographie steht, du debattierst sehr gern. Worüber denn?
Laith:
Steht das da? Echt? Was da nicht alles drinsteht... (lacht) Ach, das kommt ganz drauf an. Ich bin mittlerweile viel weniger kompromissbereit, wodurch natürlich viel schneller Diskussionen entstehen. Das ist einfach eine Frage des Themas und wie tief ich in dem Thema drinstecke. Aber wenn es drauf ankommt, dann bin ich schon bereit meinen Standpunkt zu vertreten und versuche auch gerne mal jemanden zu überzeugen.
Frage:
Inwiefern? Eher auf zwischenmenschlicher Ebene oder um bestimmte Dinge zu bewegen?
Laith:
Ich nehme mir da eigentlich ein Beispiel an U2 und versuche die globale Zwischenmenschlichkeit positiv zu beeinflussen und zu bewegen. Eine gute Plattform dafür ist natürlich die Bühne, aber ich weiß auch selbst, dass ich in diesem Punkt noch etwas aktiver werden will. Bis jetzt bestimmte die Arbeit mit der Musik mein Leben und ich fühlte mich solchen Initiativen noch nicht gewachsen. Für mich gehört es schon dazu, etwas bewegen zu wollen, aber ich möchte das auch nicht halbherzig machen. Man braucht schon eine gewisse Medienwirksamkeit. Und so gehe ich es langsam mit meiner Musik an.
Frage:
Was denkst du über die deutsche Musikszene?
Laith:
Momentan gibt es auf dem deutschen Markt Möglichkeiten, die es in vergangenen Zeiten nicht so extrem gab. Der Zuspruch der Hörer hat bei deutschen Produktionen halt enorm zugenommen, wobei ich natürlich nicht hoffe, dass das nur eine Welle bzw. ein Trend ist. Aber ich denke einfach, es entwickelt sich zur Zeit ein zunehmendes deutsches Bewusstsein.
Frage:
Hast du neben der Musik auch andere Interessen in deiner Freizeit?
Laith:
Zugegeben doch relativ wenige. Ich habe halt in den letzten zwölf Jahren ausschließlich versucht eine musikalische Basis zu finden, die ich jetzt seit fünf Jahren aufbaue. Ich hatte also einerseits nur wenig Zeit und war in dieser Zeit ganz gern mal faul und versuche meistens einfach nur abzuschalten. Das betrifft die Tatsache, dass ich ganz viel Musik auch einfach nur als Hobby mache. Eigentlich schon mehr als im Beruf und auch mal in anderen Sparten, was mir sehr wichtig ist, damit das ganze Ding nicht zu einem Alltags-Beruf wird.
Frage:
Neben der Musik - welche Ziele hast du noch?
Laith:
Da die biologische Uhr ja schon langsam tickt, würde ich gerne innerhalb der nächsten drei Jahre versuchen mal so ein Familien-Ding auf die Reihe zu kriegen. Ich denke, das ist eines der besten Basis-Elemente im Leben, das man haben kann. So was ist natürlich immer leicht gesagt und schwer getan. Schaun wir mal...
Ansonsten sollte ich glaube ich langsam mal lernen Urlaub zu machen. Damit hab ich’s nämlich nicht so wirklich. Nach spätestens einer Woche denke ich "so, nun könnte ich langsam aber mal wieder arbeiten" und von drei Urlauben nehme ich nur einen in Anspruch.
Ich bedanke mich herzlich für das Gespräch und wünsche dir alles Gute für die Zukunft!
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