Mannheimer Morgen - Interview vom 7. Februar 2006

"Ich möchte Laith Al-Deen außen vor lassen"

Das Interview führte Jörg-Peter Klotz.
Für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung bedanken wir uns bei Jörg-Peter von www.morgenweb.de

Es gab 2005 erhebende Momente für Laith: 6000 Zuschauer pilgerten im August zu seinem "Pop im Hafen"-Event am Mannheimer Musikpark, drei ausverkaufte Heimspiele im Capitol waren der übliche Triumphzug und zuletzt wurde der Soulmann für den Echo nominiert. Aber trotz guter Kritiken konnte sein Album "Die Frage wie" nicht an vergangene Verkaufszahlen anknüpfen und erreichte in den Jahres-Charts nicht einmal die Top100. In unserem Interview analysiert der 33-Jährige die Gründe für den ersten kommerziellen Rückschritt seiner Karriere und lässt durchblicken, dass er künstlerisch und geschäftlich einen Scheideweg anpeilt.

Frage:
Laith, Ihr viertes Album "Die Frage wie" gilt musikalisch als die bisher beste Laith-Al-Deen-Platte - trotzdem ist es vermutlich Ihr kommerzielles Schlusslicht, oder?

Laith:
Stimmt. Der Platte fehlt die mediale Präsenz. Was vielleicht an meiner Anti-Haltung gegenüber gewissen Fernsehformaten liegt. Denn die erste Single "Leb den Tag" war im Radio mein erfolgreichster Song überhaupt. Trotzdem ist die zweite komplett untergegangen.

Frage:
Es gab eine zweite Single?

Laith (lacht):
Sehen Sie! Sie heißt "Warten und schweigen". Und wir haben sie aus taktischen Gründen geheim gehalten. Das habe ich zumindest bei meinen Konzerten erzählt, wenn die Fans auch nichts davon wussten.

Frage:
Was unternehmen Sie jetzt?

Laith:
Eine dritte Single auskoppeln. Und zwar meinen Wunschtitel "Damit ich wieder schlafen kann", ein Duett mit dem Marokkaner Kili Et Houssaine. Ich habe das Album noch nicht abgeschrieben.

Frage:
Gibt es trotzdem schon Pläne für die nächste CD?

Laith:
Sie soll zwischen März und Mai 2007 erscheinen und sehr akustisch werden. Dazu hole ich ein paar Jungs aus der Bläser-Ecke wie Sebastian Studnitzky, ein paar Streicher - ich kann mir ein bisschen Big-Band-Feeling vorstellen. Mein Wunsch ist eine Sammlung à la "Laith features . . ." mit verschiedenen Sängern und Musikern. Wen ich da bekomme, wird sich zeigen. Da werde ich zum Beispiel auch mal den Herrn Naidoo fragen.

Frage:
So was wurde zuletzt viel gemacht - von Tom Jones über Reinhard Mey bis BAP, demnächst auch Fehlfarben . . .

Laith:
Da geht es mir gar nicht um den Effekt. Wir haben jetzt vier Alben um eine bestimmte Klangstilistik herum gebaut. Jetzt hätte ich gerne mal ein paar andere Einflüsse.

Frage:
Es klingt manchmal so, als wären Sie nicht ganz glücklich mit dem Sound, den Ihnen Ihr Frankfurter Label Schallbau verordnet?

Laith:
Ich habe es für mich noch nicht auf den Punkt bringen können, wie sehr der Schallbau-Sound das Ding Laith ausmacht.

Frage:
Deswegen auch die Einflüsse von außen?

Laith:
Vielleicht. Das habe ich zuletzt zu wenig gemacht, obwohl ich von dieser Arbeitsweise ja eigentlich herkomme.

Frage:
Wie lange läuft der Vertrag denn noch?

Laith:
Mein Label-Vertrag mit Schallbau, der einen Bandübernahme-Kontrakt mit Sony-BMG beinhaltet, läuft noch genau eine Platte. Dann steht mir die Welt offen.

Frage:
Dann sind Sie 2007 Michael Ballack. Und wer ist Real Madrid?

Laith:
Konkrete Angebote gibt es nicht. Aber durchaus Labels, die interessiert sind. Ich hätte jetzt allerdings gar keinen Wunschproduzenten, weil mir da der Überblick fehlt. Aber ich würde gerne mal in die Filmmusik-Ecke gehen. Oder ein wenig schauspielern. Es gibt da eine Anfrage für die Hauptrolle in einem Musikerfilm.

Frage:
Das "Laith-Al-Deen-Ding" - klingt aus dem Mund von Laith erstaunlich distanziert . . .

Laith:
Ich hatte 2006 eigentlich vor, mich ein wenig davon zu entkoppeln, Laith ein wenig außen vor zu lassen. Und zum Beispiel ein eigenes Studio in Mannheim aufbauen, ein Duett mit einer Schweizerin aufnehmen, mich meinem Bluesprojekt mehr widmen. Aber das Jahr läuft schon wieder vor mir her. Die letzten vier Jahre sind komplett für das "Laith-Al-Deen-Ding" weggegangen. Ich bin dessen tatsächlich ein wenig überdrüssig, und würde gern in andere Richtungen gehen. Das ist der Anspruch, den ich jetzt habe.

Frage:
Gibt es noch eine zweite Tour im Sommer?

Laith:
Ab März werden wir die Fühler live erstmal in Österreich und der Schweiz richtig ausstrecken. Und im Sommer möchte ich eine DVD aufnehmen. Etwas unkonventioneller, also vielleicht eine Art Club-Konzert, das die Optik der letzten Tour aufnimmt. Wir stricken dafür wohl eine Art Best-Of-Programm in neuen Arrangements. Und ich werde einiges Bonusmaterial dazu packen - Backstage-Zeug, selbst gedrehtes Videomaterial, vielleicht zwei, drei schöne Momente von dem "Pop im Hafen"-Ding . . .

Frage:
Lag die mangelnde Präsenz des "Die Frage wie"-Albums auch an der Trennung von der Management-Firma Live Act Music?

Laith:
Ich glaube nicht. Offiziell ist das erst seit 1. Januar 2006. Außerdem ist Kiki Kesselring weiterhin meine persönliche Managerin. Nur jetzt als Chefin ihrer eigenen GmbH Upart. Es gab mit Live Act Music auch keinen Riesenkrach, so dass es irgendwie geklemmt hätte. Man sollte sich nur trennen, wenn der Strang, an dem man zieht, sich allmählich auflöst. Zweckgemeinschaften liegen mir nicht . . .

Frage:
Ist ein eigenes Label wie Naidoo Records das Endziel?

Laith:
Weiß ich nicht. Es ist schwer, so etwas zum Laufen zu bringen. Ich habe jetzt erstmal mit meinem Bonner Ko-Autoren Götz von Sydow einen eigenen Verlag gegründet: Die Koalition. Der Name wurde komischerweise noch nie benutzt. Warum bloß? (lacht) Aber im Ernst: Ich denke in solchen Dingen eher klein. Wir bauen da jetzt eine Struktur auf, die natürlich auch anderen Acts etwas anbieten könnte - genau wie die Firma Upart.


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